Ministerpräsidentin Malu Dreyer zu Besuch im Frauenforum

Inspirierenden konstruktiven Treffens, das geprägt war von Offenheit und gegenseitiger Wertschätzung

Die Moderation dieses Treffens lag bei Astrid Rund und Monika Haager, die zu Beginn die Gründung und Anfänge des FF aufzeigte und darauf hinwies, dass die Anfangsthemen, Gleichstellung und vor allem Gewalt gegen Frauen, nach wie vor Schwerpunkte unserer Arbeit und – leider – gerade wieder sehr aktuell sind. Malu Dreyer stimmte dem zu und zeigte sich unzufrieden mit der momentanen gesellschaftlichen Lage, in der 6117 Straftaten gegen Frauen im letzten Jahr eine deutliche Sprache sprächen und 100 Jahre nach Einführung des Frauenwahlrechts in den letzten Jahren sogar wieder mehr Männer in den Parlamenten säßen als früher. Ihr ist dieses Thema sehr wichtig und das zuständige Ministerium wird im Hinblick auf die Istanbulkonferenz im kommenden Haushalt auch eine Stelle schaffen, um die Umsetzung der Konvention zu koordinieren und Impulse zu geben.

Beate Dahmen berichtete dann über ein weiteres Schwerpunktthema unserer Arbeit, nämlich die Vereinbarkeit von Familie und Beruf: die nach wie vor bestehenden Schwierigkeiten gerade von Frauen in unserer Region, Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren. Hier ist zunehmend die prekäre Situation der Kinderbetreuung suchenden (häufig alleinerziehenden) Frauen aber auch Familien ein Problem neben dem ungenügenden Angebot an Kinderbetreuungsplätzen selbst, vor allem auch an kostenlosen. Malu Dreyer räumte ein, dass es in den letzten Jahren trotz diverser finanzieller Anreize nicht gelungen sei, ausreichend Plätze zu schaffen. Für die Kindergartenkinder habe man dies mit Hilfe der gesetzlichen Regelung erreicht, und so gäbe es Überlegungen, ob man auch für die unter 3 jährigen Kinder eine gesetzliche Pflicht zur Schaffung von Kinderbetreuungsplätzen einführen solle.

Christa Wendling skizzierte die Arbeit der Frauen in der lokalen Agenda 21 und wies auf die Wichtigkeit der gleichberechtigten Partnerschaft auf allen Ebenen und in allen Lebensbereichen hin, sei es z.B. Ökologie, Ökonomie und Soziales. Auch die Jugend müsse in diesen Prozess mit einbezogen werden, daher das Projekt Zukunftswerkstatt. Malu Dreyer konnte dem nur zustimmen und zeigte sich beeindruckt von der Arbeit der Agendafrauen, für die Christa Wendling auch den Verdienstorden des Landes erhalten hatte.

Heidrun Kisters berichtete über einen Arbeitsbereich, der das FF auch von Anfang an beschäftigt hat, nämlich die Arbeit der Frauen aus der Friedensbewegung. Vor allem Frauen und Kinder seien es, die einerseits unter den kriegerischen Auseinandersetzungen weltweit am meisten zu leiden haben. Andererseits sind es meist Frauen, die friedensstiftende Initiativen ergreifen und nach Ansätzen der zivilen Konfliktbewältigung suchen. Hier gälte es, sich vor allem lokal und global zu vernetzen. Malu Dreyer teilte diese Ansicht und meinte, dass die nun vermehrt auf der politischen Bühne agierenden „starken“ Männer Anlass zu Besorgnis gäben.

Siegrid Braun informierte über den interkulturellen Arbeitsbereich und die Integration von Flüchtlingen, die hier im Kreis ohne große gesellschaftliche Probleme und mit viel ehrenamtlichem Engagement gelänge. Inbesondere mit dem Frauenforum-Projekt „Kulturbrücke Hunsrück – Grenzen-Los-Kreativ“ konnte in den vergangenen drei Jahren in der Ausübung von Musik-Theater-Kabaret erfolgreich eine Brücke zur Verständigung und Toleranz geschlagen und gelungene Integrationsarbeit immer wieder unter Beweis gestellt werden. Dass Integration insgesamt im Land ohne den Rassismuns gelänge, den man aus anderen Regionen kenne, war auch die Erfahrung der Ministerpräsidentin. Sie wies auf die für sie ganz überragende Bedeutung der EU hin, die Lage unseres Bundeslandes mit seiner Grenze zu drei Ländern, wie sich das Verhältnis zu diesen seit 1945 normalisiert habe und der Austausch miteinander so selbstverständlich geworden sei. Das sei nur durch die EU möglich geworden und in Zeiten neu aufkommender Kriegshetzerei, Nationalismus und Rassismus sei diese umso wichtiger.

Renate Fink erklärte das als Teil unseres frauenkulturellen Engagements entstandene Leader-Plus-Projekt „Frauen-Geschichte der Hunsrück-Region“, mit dem man die Frauen unserer Region aus dem Schatten holen, ihre Geschichte und Leben einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen wollte. Sie stellte die Nachhaltigkeit dieses Projektes sowohl durch das in Eigenregie herausgegebene Buch „Zwischen Tradition und Aufbruch“ als auch durch die ausgebildeten Gästeführerinnen und die Ausstellungen (aktuell im Simmerner Museum „Hexentod“) heraus.

Alice Hawig erläuterte den neu hinzugekommenen Arbeitsbereich gemeinschaftliches Wohnen, das Wohnprojekt „WIR – gemeinschaftlich Wohnen im Rhein-Hunsrück“, den monatlichen Stammtisch zum Austausch - und die großen Schwierigkeiten, gemeinschaftliche Miet-Wohnprojekte zu finden oder baulich umzusetzen, auch bei der Gründung einer Wohnungsbaugenossenschaft. Malu Dreyer unterstrich die Wichtigkeit solcher Projekte in unserer Gesellschaft, leugnete nicht die Schwierigkeiten, wies aber auch darauf hin, dass im Ministerium eine Anlaufstelle sei, die hierfür  Hilfe biete, die aber schon bekannt war.

Karin Suppus berichtete zum Schluss über Armut hier im Kreis, dass davon vor allem Frauen und Kinder betroffen seien und es etliche Bereiche gäbe, in denen eine gesellschaftliche Teilhabe aus finanziellen Gründen nicht möglich sei. Als Beispiele nannte sie u.a. die schlechte Anbindung vieler Dörfer an den ÖPNV und die hohen Fahrpreise sowie Eintrittsgelder z.B. für Schwimmbäder und Museen. Malu Dreyer kennt diese Problematik und hält es für sehr wichtig, etwas gegen die zunehmende Armut zu unternehmen. So ist das Projekt „Armut begegnen – gemeinsam handeln“ ins Leben gerufen worden, in dessen Rahmen wir als FF einen Beteiligungsworkshop in Simmern initiiert haben. Astrid Rund informierte kurz über die erste Runde dieses Workshops, an dem sich die VG Simmern beteiligt und ein erstes Treffen mit betroffenen Frauen stattgefunden hat. Was hingegen die zu hohen Fahr- oder Eintrittspreise und den ÖPNV angehe, läge die Lösung dieser Probleme, so Malu Dreyer, im kommunalen und regionalen Bereich, da könne das Land wenig machen.

Um Malu Dreyer wegen ihres gedrängten Terminplans auch ein Mittagessen zu ermöglichen, sorgte Ingrid Faber von „Auf Messers Schneide“ mit einer leckeren Quiche und Salat für das leibliche Wohl aller Anwesenden.

Zum Abschluss dieses inspirierenden konstruktiven Treffens, das geprägt war von Offenheit und gegenseitiger Wertschätzung, wurde dann noch in bester Laune das Gruppenphoto aufgenommen.

Zurück